Warum Kritik an einem Nasenring kein Sexismus ist

Se·xịs·mus
Substantiv [der]

Bezeichnung für alle Formen der Unterdrückung und der Benachteiligungen aufgrund der Geschlechtszugehörigkeit.

Vor ein paar Tagen schrieb ein Journalist aus dem Hause Axel Springer in der ICON (eine Beilage der Tageszeitung DIE WELT) einen Artikel über die, wie er es nannte, Nasering-Rotzglocke (Septum).

Dabei ließ sich der Journalist darüber aus wie sehr ihn eine Frau mit einem Nasenring irritieren würde und erklärte dies u.a. in einem Stil, welchen er wohl für lustig hielt, folgendermaßen:

Ein Septum sieht ein bisschen aus wie eine doppelte Eisenrotzglocke, die der Gepiercten aus den Nasenlöchern hängt. Die beiden Popel an den jeweiligen Enden sind verbunden mit einem das Bindegewebe unterhalb des Nasenscheidewandknorpel durchdringenden Metal-U. Alternative Varianten sind komplette Ringe, wie man sie von Stierschnauzen kennt.

Klingt nicht sehr lecker und macht auch keine Lust auf mehr, aber der Autor entschuldigt sich im nächsten Abschnitt und lässt seine Leserschaft wissen:

Okay, das klingt jetzt alles etwas unattraktiver, als ich diese Piercings tatsächlich finde. Irgendwie sind die Dinger heiß. Das Septum verleiht einem hübschen, zarten Gesicht etwas Verruchtes. Ein edles, kantiges Gesicht wirkt spannend geheimnisvoll. Einem runderen Gesicht kann es Kontur und Profil geben.

Schön etwas tröstlicher, oder? Am Ende gesteht er uns dann seine Verwirrtheit mit folgenden Worten:

Das Septum verwischt mein schematisches Denken. Meine Sinne verschwimmen. Denn dieser Schmuck passt einfach nie ins Bild, das ich mir sonst von der Trägerin gemacht zu haben glaube.

Wir wissen also nun um die verwirrende Wirkung eines Septum auf Christian Huber, der als 1984 geborener junger Mann offenbar immer noch ein sehr konservatives Frauenbild hat.

Bullshitartikel

Der ganze Artikel ist in seinem Grundton einfach Bullshit. Ziemlich doof und er hat auch keine richtige Aussage. Einige Kommentatoren sehen dies natürlich anders und die Fraktion der Männer und Frauen die sich der Verwirrtheit von Christian Huber anschließen möchten, machen dies im klassisch brachialen Stil der Dumpfbackenkommentatoren. Die dümmlichen Kommentare muss ich hier nicht zitieren. Nachzulesen sind sie jedoch, so wie der ganze Artikel, hier.

Das falsche Testimonial

Christian Huber hat aber nicht nur einen wenig intelligenten Artikel geschrieben, er hat auch noch die bekannte Bloggerin MADDIE aus Österreich mit einem Instagrambild in seinen Artikel eingebunden. Neben Maddie hat er aus das Ex-GNTM-Sternchen Julia (bekannt aus der Heroinkids-Sommerloch-Diskussion) als Beispiele für Septumträgerinnen verwendet.

Instargrambilder können über die „Einbetten-Funktion“ von jedem der sich halbwegs mit seiner Tastatur auskennt in einem Artikel im Netz eingebunden werden. Meistens freuen sich die Inhaber des Accounts, weil so ihr Bild und ihr Account geteilt werden.

Maddie freute sich wohl nicht so, denn sie schrieb einen Artikel auf ihrem Blog „DariaDaria“ und betitelte diesen mit „MEIN LEBEN ALS STÜCK FLEISCH“. Ihr ging es darum Christian Huber zu kritisieren, was bei der Flachheit des Artikels auch ohne jeden Widerspruch hingenommen werden kann.

Nur, und hier setzt meine Kritik an Maddie ein, dabei hat sie es nicht belassen.

Die Sexismuskeule muss ausgepackt werden

Für Maddie stand fest: Dieser Artikel enthält 100% Sexismus. Also eine Unterdrückung und der Benachteiligungen aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit, weil der Autor sich nur über Frauen mit einem Septum ausgelassen hatte und mit keinem Wort Männer oder eine der anderen 58 Auswahlmöglichkeiten von Facebook erwähnte.

Maddie schreibt dann folgende Worte:

Als Frau wird man ständig beurteilt, kommentiert, bewertet und sexualisiert. Wir leben im Jahr 2016 und es ist nach wie vor Thema, wie viel wir wiegen, wie wir uns verhalten, ob wir fuckable oder nicht sind, ob wir uns “artgerecht” weiblich oder nicht verhalten. Das Ziel? Wir müssen Männern gefallen, nicht uns selbst. Laut dem Autor macht ein Stück Metall im Gesicht die Trägerin rebellisch, sexy und irgendwie gefällt ihm der Gedanke einer Domina, denn immerhin macht der Nasenring das aus einem. Schön, wenn mein Stück Metall im Gesicht dein Glied erigiert. Eine gute Tat am Tag vollbracht!

Zustimmen muss ich vorbehaltlos, dass wir Frauen täglich beurteilt werden. Wir werden auch sexualisiert und kommentiert. In bestimmten Teilen verdiene ich damit sogar mein Geld, denn als Escortdame ist es Teil des Jobs sexualisiert zu werden. Männer könnten mich auf Portalen wie kaufmich sogar kommentieren und bewerten, wenn ich dies zulassen würde, damit mein Markwert steigt (etwas was ich glücklicherweise nicht muss, aber sich tatsächlich erniedrigend anfühlt).

Im ganzen Artikel finde ich aber nirgends die Passage über die Domina und das erigierte Glied, ist dieser Part verschwunden, oder steht er nur in den Kommentaren? Es ist egal, denn die Sexismuskeule ist hoffnungslos überzogen.

Die Kritik an einem modischen Accessoire ist kein Sexismus, es ist Kritik an einem modischen Trend, an einem Schmuckstück. Ein Mann schreibt über seine, zweifelhaften, modischen Ansichten. Nicht mehr und nicht weniger. Sexismus ist mehr und es ist definitiv der Sache nicht gedient, wenn eine Bloggerin ihre persönliche Eitelkeit derart missbraucht.

Bild: Shutterstock

Veröffentlicht von Champusgirl

Lebenslustige Berlinerin mit der Hometown Frankfurt. Beruflich in der Tourismusbranche unterwegs und als Escortdame eine Männersammlerin. Champagner mag ich wie kein zweites Getränk. ich liebe Reisen, intelligente Männer und gutes Essen (mehr als ein Salatblatt).

1 Kommentar

  1. Hallo Maria,

    Bin ja sehr begeistert was deinen Blog betrifft und freu mich jedesmal über einen neuen Eintrag und geb dir in dieser Debatte vollkommen Recht. Sexismus hat damit nichts zutun. Es geht um modische Accessoires die eben auch nicht jedem gefallen. Es gibt auch Männer die Nasenringe tragen und das finden manche eben auch nicht schön. Allerdings liegt Schönheit sowieso im Auge des Betrachters. Oder frei nach Oscar Wilde…Schönheit ist der einzige Wert dem die Zeit nicht schadet, es ist für die Ewigkeit. Auch wenn das dann beim Bildnis des Dorian Gray ja nicht ganz der Fall war 😉

    Bestes,
    James

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