Abschied auf Ibiza

In meiner Zeit als Hotelmanagerin habe ich viel gesehen und auch eine Menge erlebt. Eine Geschichte die mich heute noch sehr traurig stimmt, ist mir in meiner Zeit in Kanada passiert und verfolgt mich bis heute.

Kanada ist nicht ganz so prüde wie die USA, aber auch hier gibt es eine sehr strenge öffentliche Moral und das was sonst so passiert.

Eine meine Kolleginnen hatte damals ziemliche Probleme, aus diesem Grund hatte sie sich irgendwann dazu entschlossen mit Männern auszugehen und mit ihnen zu schlafen, in der Hoffnung sie würden ihr Geld dafür geben.

Wir alle kennen die Männer, wenn du nicht gleich klar machst, dass der Spaß jetzt Kohle kostet, dann glauben sie an sich selbst. Georgia ist das einige Male passiert, dann sah sie ein, dass es nichts für sie ist.

An einem Abend, ich hatte gerade mit dem Hoteljob für die nächsten 48 Stunden (Wochenende nennen es andere) abgeschlossen und mich in meinen Mietwagen geschmissen um mal endlich etwas von der endlosen Weite Kanadas zu sehen, da sah ich Georgia an der Bar unseres Hotels sitzen. Ein echtes No-Go für Angestellte in ihrem Status.

Ich mochte sie sehr und ging daher auf sie zu, sprach mit ihr und lud sie in mein Auto ein. Sie hatte unglücklicherweise schon einiges intus, daher sah ich mich gezwungen sie erst einmal nach Hause, anstatt in die Wildnis, zu fahren.

Georgina fing auf der Fahrt an zu heulen, sie begann ausgerechnet in meinem Auto damit sich ihr ganzes Elend aus der Seele zu weinen. Aus der Wildnis wurde nichts, ich brachte sie heim, hörte ihr zu und besorgte ihr einen Job in einem unserer Hotels in Europa.

Klingt bis hierhin gut, aber das ist es nicht.

Georgina und ich sollten uns drei Jahre später wiedersehen. In einem meiner blogfreien Jahre, weil ich keine Zeit und keinen Nerv hatte Dinge aufzuschreiben oder mit anderen Menschen zu teilen, auch weil sie mir noch einmal begegnete.

Im Frühjahr 2010 führten mich meine beruflichen Wege nach Brüssel. Die Stadt der EU-Aristokraten und Lobbytiger. Ich hatte einmal mehr mit einem nicht so gut gemanagten Haus unserer Kette zu tun und krempelte die Arme hoch, schuftete und schlief nur mit Jean-Pierre, einem Liftboy mit einer unglaublichen Zunge und einem Ständer wie geschaffen für eine Frau die am Ende eines Tages noch etwas anderes spüren möchte außer ihren Füßen.

Jean-Pierre berichtete mir irgendwann von einer durchgeknallten Kanadierin die sich in einen Hotelgast aus der Brüsseler Aristokratenschicht verliebt hatte, ohne das er es erwiderte. Sie hätte hier im Hotel gearbeitet und sei dann rausgeflogen, nach dem sie diesem Gast eine Szene in der Bar gemacht hätte, bei der sie sich vollkommen entblößt hätte.

Jean-Pierre versprach mir am nächsten Tag ein Foto zu besorgen, obwohl ich schon ahnte wer diese junge Frau gewesen ist: Georgina.

Das Bild bestätigte mein mieses Gefühl im Bauch, es war Georgia. Sie hatte sich in einen jungen EU-Parlamentarier aus den Niederlanden verliebt und sich in etwas Hoffnungsloses verrannt.

Ich suchte nach ihr und fand sie fast sechs Monate später in Spanien. Ihre Hotelkarriere hatte in Brüssel geendet, sie hatte es als Kellnerin, Animateurin und Stripperin versucht. Jeder Schritt den sie tat führte sie zu einem noch niederträchtigeren Mann, einer der sie ausnahm und sich an ihrem Körper schadlos hielt.
Auf Ibiza sahen wir uns wieder in die Augen. Ihre Augen glasig und verquollen, das Gesicht aufgedunsen und speckig. Ihr Körper aus dem Leim gegangen, leer und kraftlos. Wie in Kanada nahm ich sie mit zu mir nach Hause, sprach mit ihr und versuchte zu verstehen was ihr geschehen war.

Meine Hoffnung es würde in Europa besser gehen ist ein Trugschluss gewesen. Sie hatte sich immer wieder in die falschen Männer verliebt und nun auf der Insel der coolen Musik hatte sie zu den falschen Männern auch noch die Drogen zu ihrer Leidenschaft gemacht. Sie schlief ohne Schutz für 30 € mit jedem Kerl, sie spielte in schlechten Internetfilmen mit und bekam 100 € für einen Tag, auch alles ohne Schutz, wenn Kaviar und Sekt verlangt wurden, dann gab es 200 €.

Nun, vollgepumpt mit schlechten Drogen lag sie in meinen Armen, ihr Körper längst vergiftet und ohne jede Chance auf Erholung. An diesem Abend brachte ich sie in eine private Klinik auf der Insel und bat darum sie gut zu behandeln. Mein Kuss auf ihre Wangen brachte uns zum Weinen, die vielleicht letzten Tränen von Georgina. Drei Tage später sollte sie einschlafen, denn ihr Körper hatte keine Kraft mehr und ich verspürte eine tiefe Traurigkeit und Schuld. Hätte ich sie nicht nach Europa geschickt, dann würde sie vielleicht immer noch in Kanada sein.

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